Peer Kaeding, Dieter Lünse,
Elke Fontaine

Konfliktmanagement im System Schule - Ein Plädoyer

Streitschlichtung in Hamburg 2020.

Eine kurze Einführung in die Entwicklung, den Stand und die Zukunft der Streitschlichtung in Hamburger Schulen. Beitrag zum 10. Jubiläum der Hamburger Streitschlichtungstage 2012, zuerst erschienen als "Streitschlichtung in Hamburg. Wurzeln und Flügel", jetzt neu aufgelegt (= Edition MM, Hg.: Julia Wiese und Matthias Schütz/Mediativer Mittwoch, Heft 1).

2015
geheftet, 16 Seiten, 2 Abb., 21 x 14,5 cm.

Preis: (D) Euro 8,00
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Link zu Edition MM 2, MM 3, MM 4

 

Abstract

Kurze Einführung in Entwicklung, Stand und Zukunft der Streitschlichtung in Hamburger Schulen, wo an über hundert Schulen aller Formen Schülerinnen und Schüler als Streitschlichter arbeiten. Das ist ein gutes Viertel aller Schulen dort. Die Erfahrungen sind beeindruckend, offenbaren allerdings auch ein gemischtes Bild. Nicht immer gelang es, alle Ziele umzusetzen; viele Schulen überfordert der Arbeitsaufwand oder sie sehen den Ertrag nicht. Die einschlägig ausgewiesenen Autoren beschreiben in ihrem Beitrag die Entwicklung des Konfliktmanagements in Hamburger Schulen, die Stärken und Schwächen des Erreichten und entwerfen ein Konzept für ein in den Schulalltag integriertes Konfliktmanagementsystem.  

Klappentext

Die Welt verändert sich, das ist insbesondere auch an Schulen spürbar. Neue Themen bewegen Schülerinnen und Schüler, Eltern und natürlich auch Lehrkräfte, Sozialpädagogen und andere Aktive in der Schule. Früher als andere Bundesländer hat das System Schule in Hamburg umfassende Reformschritte bereits vollzogen. Dazu gehört auch das Hamburger Modell der Streitschlichtung.

Die Autoren plädieren für einen konstruktiven Umgang mit Konflikten als einer wesentlichen Bedingung für das Gelingen einer guten Schule. Und sie legen dar, wie Streitschlichtung einen wichtigen Beitrag zu einer konstruktiven Konfliktkultur leisten kann. In Hamburg werden die Schülerinnen und Schüler, aber auch die erwachsenen Multiplikatoren, intensiv und zielgenau fortgebildet. In der Ausbildung werden wichtige Kernkompetenzen vermittelt: Geschichte und Hintergrund der Mediation; Rolle des Mediators; Moderationstechniken; Aktives Zuhören; Beachtung der Einhaltung von Gesprächsregeln; Förderung des Dialogs zwischen den Gesprächspartnern; Kreativitätstechniken zur Lösungssuche; Verwaltung der Streitschlichtung; Öffentlichkeitsarbeit.

Autoren / Leseprobe

Die Autoren

Peer Kaeding, Diplompsychologe, Mediator (BM). Leiter der Be­ra­tungs­abteilung im Regionalen Bildungs- und Bera­tungs­zent­rum Altona-West in Hamburg. Seit 15 Jahren tätig in der Aus- und Fortbildung von Schulmediatoren. Mitglied der Regio­nal­gruppe Hamburg des Bundesverbands Mediation. Diverse Pub­li­kationen zu Mediation und Gewaltprävention an Schulen.

Dieter Lünse, Dipl.-Sozial-Ökonom, Friedens- und Konflikt­päd­agoge, Mediator (BM) und Ausbilder in Mediation (BM). Gründer und Leiter des gemeinnützigen Trägers „Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation e. V.“ in Ham­burg seit 1998. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Zivilcourage, Gewaltprävention, Frie­dens­­pädagogik. Er hat den „Fachkreis Gewaltprävention Ham­burg“ aufgebaut und war 14 Jahre dessen Geschäftsführer und Sprecher.

Elke Fontaine, Referentin für Projekte und Seminare im Be­reich Prävention der Unfallkasse Nord, der gesetzlichen Un­fall­versicherung für Beschäftigte im öffentlichen Dienst, Kin­der in Kindertagesstätten, Schulen und Studierende der Län­der Schleswig-Holstein und Hamburg. Mediatorin, Mit­glied der Regionalgruppe Hamburg des Bundesverbands Medi­a­tion. Arbeitsschwerpunkte: Gewaltprävention und Schu­len, Umgang mit Konflikten, Interkulturelle Kompetenzen.

Leseprobe

Blick nach vorn: Konfliktmanagementsystem

Die Etablierung eines Streitschlichterteams ist eine notwendige, jedoch keine hinreichende Voraussetzung, um die Konfliktkultur an der Schule zu verbessern. Sie sollte nicht die einzige bleiben, da sonst der Streitschlichtung ein „Inseldasein“ droht. Unser Kollege Helmolt Rademacher beschreibt passend: „Will man effektiv mit Konflikten umgehen, dann muss man wegkommen von kurzfristigen Bearbeitungen durch Spezialisten für Personalführung und Konflikte im gesamten System bearbeiten. (…) Mit anderen Worten: Konfliktmanagement muss integraler Bestandteil des Schulprogramms werden.“ (Rademacher, 2007)

Wir fragen: Warum wurden einzelne Streitschlichtungsprojekte an Schulen erfolgreich umgesetzt, die erforderlichen weiteren Maßnahmen zur Implementierung einer konstruktiven Schulkultur aber häufig nicht durchgeführt? Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein häufig genannter Grund sind die unzureichenden Personalressourcen an der Schule.

Wir finden, es ist an der Zeit, große Brötchen zu backen

Es ist alles vorhanden, was für ein konstruktiveres Miteinander an Schulen notwendig ist:
•  Das Know-how und die Kompetenzen der Streitschlichtung und der Schul­mediation,
•  Forschung und Praxiskonzepte zum sozialen Lernen in der Schule (siehe Schubarth, 2000),
•  Moderne Konzepte der Demokratiepädagogik (siehe Edelstein et al., 2009),
•  Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen an Schulen (siehe Böhm, 2011),
•  Die zunehmende Öffnung der Schulen in den Stadtteil/die Kommune (siehe beispielsweise für Hamburg: http://www.hamburg.de/rbk).