Hasso Neumann

(Um- oder Ab-) Wege zur Erinnerung

Ereignisse und Fakten - von der Schaumburger Landschaft vergessen?

2009
Broschur, 53 Seiten, 12 Farbabb., 21 x 14,5 cm.

Preis: (D) Euro 6,60
EUR(A) 6,80, CHF 9,90 UVP
ISBN 978-3-925961-39-7
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Inhalt

Grußwort Michael Fürst

Grußwort von Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen

Allen Beteiligten gilt unser ausdrücklicher Dank. Das MENORAH-Projekt hat die jüdischen Bürger Schaumburgs, die im 3. Reich unter Verfolgung, Deportation und Ermordung leiden mussten, die ihre Freunde und Nachbarn verloren, nur weil sie einer vermeintlich anderen minderwertigen Rasse angehörten, in die Gegenwart zurückgeholt.

Die symbolische Rückgabe der Bürgerrechte ist nicht nur ein Symbol selbst, sondern gleichzeitig ein Akt tiefer Reue und Scham, weil sich keiner schützend vor die jüdischen Bürger gestellt hat. Nur deshalb konnte es zu den millionenfachen Morden kommen.

Wir können unsere Mütter und Väter, Schwestern und Brüder, Freunde und Bekannte nicht wieder zurückholen. Sie schauen aber auf uns mit Genugtuung und Anerkennung herab.

Es ist spät, aber die Anstrengungen der Projektgruppe MENORAH zeigen: es ist nicht zu spät!


Vorwort von Jens Gundlach, ehem. Ressortleiter der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, Kuratoriumsvorsitzender der Hospiz Stiftung Niedersachsen, Mitglied des Konvents des Klosters Loccum

Angestoßen durch Hasso Neumann, ist in Schaumburg ein Verständigungsprozess über das Gedenken an die hier einst lebenden jüdischen Bürger in Gang gekommen, die in der NS-Zeit vertrieben, verschleppt und zum großen Teil ermordet wurden. Dass solche Erinnerung mit dem Ziel einer regionalen Gedenkkultur kontrovers verläuft, ist wünschenswert. Durch gepflegte Auseinandersetzung wird Geschichte klarer und dringt - was bei dieser Thematik besonders wichtig ist - tiefer ins Bewusstsein ein.

Individuen, gesellschaftliche Gruppen und auch Institutionen sind versucht, geschichtliches Gedenken aus ihrer je eigenen Perspektive und Interessenlage zu monopolisieren. Jedem Anspruch auf Geschichts- und Erinnerungshoheit ist daher mit Misstrauen zu begegnen. Selbst Darstellungen darüber, wie Verständigung über eine Gedenkstätte für Juden im Einzelnen abgelaufen ist, unterliegen der Gefahr von Einseitigkeit. Einseitigkeit vor allem durch Lückenhaftigkeit muss sich die Schaumburger Landschaft als Herausgeberin des Buches „Wege zur Erinnerung“ ebenso wie die mitfinanzierende Stadt Stadthagen vorhalten lassen.

So ergibt sich in einer aufgeklärten Politik- und Kulturszene die Notwendigkeit, die Veröffentlichung der Schaumburger Landschaft durch eine Dokumentation bislang verschwiegener Sachverhalte zu ergänzen. Wenn objektive Beobachter der Medien beiden Werken zusammengenommen nun das Prädikat „annähernd vollständig“ verleihen sollten, hätte die vorliegende Arbeit ihren Zweck erreicht. Dabei ist in der Leserschaft wahrscheinlich mit Zustimmung darüber zu rechnen, dass es ebenso falsch ist, sein Licht in einer liebenswerten 'Landschaft' auf einen zu hohen Sockel zu stellen, wie beim Verfassen ergänzender Informationen sein Licht unterm Schreibtisch zu verstecken.

Das abgründige Verbrechen an den Juden kann einen bis heute an Gottes Güte zweifeln lassen, obwohl es Menschen sind, die dafür verantwortlich waren. Dennoch möge er seinen Segen geben allen, die mit unverstelltem Blick auf die Vergangenheit gemeinsam um eine bessere Zukunft ringen.


Grußwort Christian Wulff

Grußwort des Ministerpräsidenten von Niedersachsen Christian Wulff

zur Verlesung durch Herrn Bürgermeister Bernd Hellmann anlässlich der symbolischen Rückgabe der Bürgerrechte an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Schaumburg am 9. November 2008 in der St. Martini Kirche in Stadthagen

Ich freue mich sehr über den Entschluss, heute, anlässlich des Gedenkens an die Reichspogromnacht vor siebzig Jahren, in einem symbolischen Akt den mehr als 430 jüdischen Opfern des Nationalsozialismus in Schaumburg die damals entrissenen Bürgerrechte zurückzugeben. Leider kann ich heute nicht persönlich bei Ihnen sein. Ich nutze aber gern die Möglichkeit, Ihnen allen auf diesem Weg meine persönlichen Grüße und die Grüße der Niedersächsischen Landesregierung zu überbringen.

Durch den nationalsozialistischen Rassenwahn verloren auch in Schaumburg jüdische Bürger zuerst ihre Rechte und Freiheiten, dann ihre Würde und am Ende sogar ihr Leben. Der Schmerz über diese furchtbaren Geschehnisse, die ihren ersten entsetzlichen Höhepunkt in der Reichspogromnacht vor heute genau 70 Jahren fanden, ist immer noch lebendig. Wir können Geschehenes nicht ungeschehen machen. Doch können Akte wie der heutige, und wenn er nur symbolisch sein kann, das Unrecht sühnen - und wir können, wir müssen für mehr Menschlichkeit und für eine bessere zukünftige Welt eintreten!

Die symbolische Rückgabe der Bürgerrechte an die Schaumburger Opfer wird heute anschaulich durch die Übergabe einer Menorah an die Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde Schaumburg. Die Menorah, der berühmte siebenarmige Leuchter, ist eines der ältesten und - neben dem Davidstern - wichtigsten Symbole des Judentums. Sie soll die Erleuchtung des menschlichen Geistes und Herzens symbolisieren. Die Zahl sieben steht in der jüdischen Zahlensymbolik für die Vollkommenheit und Weisheit Gottes und für alles, was in vollkommener Übereinstimmung mit Gottes Ratschluss steht. Die heute überreichte Menorah ist ein Bronzeguss in möglichst exakter Nachempfindung jenes Leuchters, der als Steinrelief in der Synagoge von Kapernaum abgebildet ist - der Synagoge, in der Jesus von Nazareth nach dem Zeugnis der Bibel gelehrt haben soll. Im Sockel trägt die Menorah die Inschrift „Symbol für die Rückgabe der Bürgerrechte an die jüdischen Opfer in Schaumburg - 1938-2008“.

Ich danke dem Künstler, Herrn Hasso Neumann aus Wölpinghausen für seine Idee, seine kunstvolle Kreation und die Energie, mit der er sein Anliegen betrieb. Ich danke allen, die dieses Projekt durch Spendengelder finanziert haben. Ich danke dem „Schaumburger Landschaft e.V.“ und dessen Arbeitskreis „Erinnerungsprojekt für die Opfer des Nationalsozialismus in Schaumburg“ für das große Engagement. Ihrem kurz vor der Gründung stehenden Förderverein wünsche ich viel Erfolg. Ich danke der Stadt Stadthagen, ihrem Rat und besonders ihrem Bürgermeister, Herrn Bernd Hellmann, ebrnso der St. Martini-Kirchengemeinde Stadthagen, stellvertretend ihrem Oberprediger, Herrn Dr. Klaus Pönninghaus.

Die symbolische Rückgabe der Bürgerrechte im Namen aller Bürger von Stadthagen ist ein Schritt, der bezeugt, dass wir festen Willens sind, Sühne zu leisten und jedem neuen Unrecht entgegenzutreten. Denn die Erinnerung an das Schreckliche, das unseren jüdischen Mitbürgern vor siebzig Jahren widerfuhr, ist immer auch Mahnung für unser Verhalten heute und in Zukunft. Es ist unsere Pflicht, alles zu tun, damit solches Unrecht nie wieder geschehen kann. Die heutige Übergabe der Menorah, die die Rückgabe entrissener Rechte symbolisieren soll, ist ein wichtiger Beitrag zur Arbeit an einer freien, friedlichen, toleranten, offenen und pluralen Gesellschaft, in der wir heute und auch in Zukunft gemeinsam leben wollen.

Noch einmal danke ich Ihnen und grüße Sie alle herzlich.